Es kann immer wieder passieren, dass seitens des Finanzamts eine Nachzahlung ins Unternehmen flattert. Oder die Sozialkassen Versicherungsbeiträge nachfordern. In solchen Situationen müssen Firmen nicht nur Fristen einhalten – es braucht auch schnell die notwendige Liquidität. Die Barkasse hat mitunter nicht die Reserven, um alle Forderungen zu decken. Und der Antrag auf einen KfW Unternehmenskredit dauert einfach zu lange. Welche Alternativen haben Unternehmen, um im Idealfall innerhalb von 24 Stunden oder 48 Stunden frisches Geld in die Kasse zu spülen?
Während private Haushalte Möglichkeiten wie die Pfandleihe oder den Online Sofortkredit nutzen können, haben Unternehmen sehr viel mehr Schwierigkeiten. Aber: Gerade durch die aufstrebende FinTech-Branche haben Möglichkeiten geschaffen, dank derer sich auch kleinere Unternehmen mit Geld versorgen können. Wie sehen diese Optionen aus? Factoring ist besonders dann beliebt, wenn Rechnungen gestellt sind – Kunden des Unternehmens aber noch nicht gezahlt haben. Potenzial für mehr Liquidität bietet aber auch ein größerer Fuhrpark – ohne, dass auch dessen Weiternutzung durchs Unternehmen verzichtet werden muss.

Panumas Yanuthai/shutterstock.com | Rechnungen an Factoring-Anbieter abtreten – eine gute Möglichkeit, kurzfristig für Liquidität zu sorgen. Dies bringt jedoch auch Kosten mit sich.
Factoring – Rechnungen vorfinanzieren
Factoring ist eine schnelle und unkomplizierte Möglichkeit, um sich als Unternehmen Liquidität zu verschaffen. Lange stand diese Option kleinen Unternehmen allerdings nicht zur Verfügung, da Banken Factoring nur für den größeren Mittelstand und Konzerne anboten. Inzwischen hat sich – dank der wachsenden Bedeutung einige Fin-Tech-Unternehmen – diese Situation geändert. Was ist Factoring? Der englische Begriff hat zwei Bedeutungen: Rechnungskauf und Rechnungsvorfinanzierung. Kern des Ganzen ist die Sicherung schneller Liquidität – basierend auf durch das Unternehmen gestellte Rechnungen. Letztere sind schuldrechtlich Forderungen, die von Factoring-Dienstleistern:
- als Sicherheit für die Finanzierung herangezogen (unechtes Factoring)
- aufgekauft (echtes Factoring)
werden. In der Praxis macht es auf den ersten Blick keinen großen Unterschied, das Unternehmen bekommt Geld auf jeden Fall. Aber: Beim echten Factoring tritt das Unternehmen Forderungen ab – muss also auch nicht mehr Mahnwesen usw. kümmern. Beim unechten Factoring sehen sich Unternehmen immer noch dem Ausfallrisiko gegenüber – wenn der Rechnungsempfänger nicht zahlt. Auf der anderen Seite hat unechtes Factoring den Vorteil, dass Unternehmen weiterhin die volle Kontrolle über das Rechnungs- und Mahnwesen haben. Gerade im Umgang mit Bestandskunden ein unschätzbarer Pluspunkt.
Wichtig: Factoring-Dienstleister arbeiten nicht kostenlos. Wer diesen Weg einschlagen will, muss Gebühren schultern. Die Höhe variiert mit der Rechnungshöhe und dem Finanzierungszeitraum.
Damit diese Form der Liquiditätsbeschaffung funktioniert, haben Unternehmen einige Hürden zu nehmen. Viele Factoring-Dienstleister verknüpfen den Rechnungskauf mit dem Eintrag ins Handelsregister oder an bestimmte Unternehmensformen. Teils sind vor der Vorfinanzierung einer ersten Rechnung auch Vertragskopien o. Ä. einzureichen.
Sale and Rent back – unkompliziert Mittel freisetzen
Das Prinzip hinter Sale and Rent back ist auch als Sale and Lease back bekannt. Dabei werden Güter aus dem Anlagevermögen an spezialisierte Finanzdienstleister verkauft. Diese verleihen das Wirtschaftsgut, bei dem es sich um:
- Produktionsmaschinen,
- Immobilien,
- Grundstücke oder
- Teile des Fuhrparks
handeln kann, wieder ans Unternehmen zurück. Für das Zurückmieten/Leasing wird von den finanzierenden Unternehmen ein Zins erhoben, der sehr starken Unterschieden unterworfen ist. Die Vorteile liegen – etwa im Vergleich zum Prinzip der Pfandleihe – darin, dass Unternehmen sich auf der einen Seite die Liquidität sichern, andererseits aber auch die Wirtschaftsgüter im Unternehmen weiterhin nutzen können. Auf diese Weise entsteht eine komfortable Situation. Denn zusätzlich werden die Leasingraten steuerlich als Betriebsausgabe anerkannt – was Vorteile gegenüber der Aktivierung über das Anlagevermögen bietet. In letztgenanntem Fall müssen Wirtschaftsgüter entsprechend der Fristen aus den AfA Tabellen abgeschrieben werden.
Ein Beispiel, wie der Rückmietkauf in der Praxis funktioniert, ist pfando.de. Das Angebot der Pfando’s cash & drive GmbH, hat sich auf Sale and Rent Back für Fahrzeuge spezialisiert. Wie hoch die so gewonnene Liquidität am Ende ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab – wie dem Fahrzeug und der Laufzeit.
Abruf- und Kontokorrentkredite
Alle bisher genannten Möglichkeiten für kurzfristige Liquidität im Unternehmen setzen eines voraus – die Antragstellung und/oder das Einreichen von Dokumenten. Wie sehen die Handlungsoptionen aus, wenn Unternehmen einfach im geschäftlichen Alltag auf „stille“ Reserven zugreifen wollen? Eine beliebte Alternative ist der Abruf- oder Kontokorrentkredit. Einige Banken bieten diese Variante auch als Rahmenkredit an. Was ist darunter zu verstehen? Es handelt sich um ein Darlehen an gewerbliche Kunden, welches nicht ausgezahlt wird – sondern in Form einer Kreditlinie zur Verfügung steht.
Damit haben Firmen die Chance, kurzfristige Lieferantenrabatte und Skonti auszunutzen – ohne dafür erst einen Kreditantrag auszufüllen.
Dieser Schritt ist nur einmalig erforderlich. Einmal bewilligt, steht die Kreditlinie zur Verfügung und kann beliebig oft genutzt werden. Der Vorteil: Unternehmen müssen den Rahmenkredit nicht vollständig ausschöpfen. Bei Bedarf wird aus der Kreditlinie eine Rechnung beglichen. Anschließend sorgt das Unternehmen aus beglichenen Forderungen wieder für die Glattstellung. Vergleichbar ist das Ganze mit der revolvierenden Kreditlinie bei Kreditkarten.

Mikbiz/shutterstock.com | Den eigenen Fuhrpark verkaufen und dann zurückleasen – ebenfalls eine wirksame Liquiditätsmaßnahme.
Fazit: Als Unternehmen flexibel für Liquidität sorgen
Unternehmen – und viele Start-Ups – sind im geschäftlichen Alltag oft mit Situationen konfrontiert, in denen schnell Liquidität gefragt ist. Nachzahlungen beim Finanzamt sind eine Seite. Aber auch der Skonto eines Lieferanten verspricht finanzielle Vorteile – die sich Firmen nicht gern entgehen lassen. Im Idealfall liegt das nötige „Kleingeld“ in der Barkasse. Was, wenn dies nicht der Fall ist? Kurzfristig lässt sich Liquidität mit verschiedenen Hilfsmitteln sichern. Sale and Rent Back ist eine Option, welche nicht nur Kapital in die Kasse spült. Unternehmen können hierüber zusätzlich auch Betriebsausgaben – über Leasingraten – aktivieren.
Wo entsprechende Güter des Anlagevermögens fehlen, wäre die Rechnungsvorfinanzierung eine weitere Option. Hierbei bilden Forderungen des Unternehmens aus Lieferung/Rechnungstellung die Grundlage. Zu beachten ist, dass in diesem Zusammenhang verschiedene Ansätze existieren. Letztlich ist es heute durchaus möglich, sich als Unternehmen schnell mit Liquidität zu versorgen.